Wer kennt sie nicht, die Höhlenmalereien, mit denen die Kunde vom Überlebenskampf der frühzeitlichen Menschen bis in die Gegenwart getragen wird? Bilder riesiger Mammute, bedrängt und besiegt von kleinen Strichmännchen mit langen Speeren, bezeugen noch heute den Ruhm der Jäger, die mit ihren Sippen nur überlebten, wenn sie den übermächtigen Gegner niederringen konnten.
Der Mensch entwickelte die Tötungstechnik weiter. Die Mammute starben aus. Die Jagd blieb als Privileg der Reichen, die hoch zu Ross mit Meutehunden und Büchsen das Wild erlegten. Das Speisen der Beute wurde zelebriert: Gedeckte Tafeln für die Gesellschaft zum Mahl, begleitet von musikalischen und literarischen Vorträgen. Ein Vergnügen des Adels, der Wilderer aus dem Volke bestrafte.
Beide Beispiele verdeutlichen den Weg von der Schicksalsgemeinschaft zur Klassengesellschaft, in der die Mächtigen das Recht setzen: bei der Jagd, im Krieg, ganz allgemein. Es würde hier jeden Rahmen sprengen, den Werdegang der Menschen bis in die Gegenwart verfolgen zu wollen.
Stichpunktartig sollte aber heute unter anderem folgenden Fragen nachgegangen werden:
Was denkt ein Aktionär, der in Rüstungsfirmen investiert?
Was denkt ein Drohnenpilot nach seinem achtstündigen Arbeitstag in Ramstein bei der Rückkehr in seine Familie?
Was denkt ein Kampfjetpilot beim Abwurf seiner Bomben auf den Libanon?
Gemeinsam ist allen, dass sie ohne bzw. ohne nennenswerte Eigengefährdung ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen, um sich und gegebenenfalls ihre Familie zu ernähren und um einen gewissen Wohlstand zu erreichen oder zu halten. Sie haben jedes Recht dazu.
Die Problematik wird mit einem vierten Beispiel auf den Punkt gebracht:
Israel hat jedes Recht sich zu verteidigen.
Geblieben ist die Tatsache, dass Recht Auswuchs der Macht ist. Dieses Recht kippt ins Unrecht, sobald es die Ohnmächtigen schlechter stellt als die Gewaltinhaber, sei es am Kapitalmarkt, im Krieg oder einfach nur bei den Lebensgrundlagen.
18. Juni 2026
© Karl Hackelbusch